Der Weg zum Minimalismus

Ich gebe es zu. Ich hatte lange Mühe damit Dinge wegzugeben, zu verkaufen oder sonstwie aus meinem Leben verschwinden zu lassen. Ob Kleider, Möbel, Gadgets oder Firlefanz. Gleichzeitig verspüre ich den Drang, immer das Neuste und Beste der heutigen Technologie zu haben. Zum Beispiel das schnellste Handy oder die beste Unterwegskamera.

Das macht Druck. Denn diese Supergeräte müssen ja auch rentieren. Das Smartphone muss herhalten um Videos zu schiessen, Dokumente zu bearbeiten, Notizen zu speichern, eBooks anzuzeigen ab und zu Anrufe zu tätigen, Nachrichten zu schreiben und so weiter und so fort. Die teure Kamera muss supervirale Videos produzieren. 

In letzter Zeit habe ich eine tiefe Unruhe in mir gespürt. Ein riesen Druck. Das hat mich runter gezogen. Im Alltag und in Beziehungen. 

Ich habe das Konzept des Minimalismus ausprobiert.

[MINIMALISMUS …] BEZEICHNET EINEN LEBENSSTIL, DER SICH ALS ALTERNATIVE ZUR KONSUM­ORIENTIERTEN ÜBERFLUSSGESELLSCHAFT SIEHT. KONSUMKRITISCHE MENSCHEN VERSUCHEN, DURCH KONSUMVERZICHT ALLTAGSZWÄNGEN ENTGEGENZUWIRKEN UND DADURCH EIN SELBSTBESTIMMTES, ERFÜLLTES LEBEN ZU FÜHREN. 

WIKIPEDIA “EINFACHES LEBEN”

Konsumkritisch, ich? Das geht nicht. Vielmehr geht es mir darum, mein Leben zu entschlacken. Die Ruhe zu finden. Meine Energie für mich einsetzen. Vielleicht ist das, was ich zurzeit mache, nicht Minimalismus. Vielleicht ist es einfach eine Notwendigkeit.

Jetzt ist vieles weg. 

Viele meiner Kleider sind in der Kleidersammlung oder im Abfall gelandet. Ich besitze noch zu viele Stücke, werde in den nächsten Wochen aber gut aufpassen, was ich noch anziehe. Alles andere kommt weg.

Das Buch, welches mich in den Minimalismus begleitet hat. „Goodbye, Things“ von Fumio Sasaki

Wenn ich heimkomme sehe ich zuerst meinen Bürotisch. Mit Computer und einer Lampe. Sonst ist nichts da. Nur diese Dinge.

Ich habe keine Ahnung wie lange ich diesen Weg weiterverfolgen werde. Was ich weiss ist, dass ich mich seit dem Beginn dieses Prozesses vor etwa 18 Monaten bereits schon viel mehr zu mir gefunden habe. Und das tut so unendlich gut.

Fabio

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