Babaylan – Transgender Göttinnen der Philippinen

Lakapati: TransDiwata ng Ginintuang Palay at Masaganang Ani by brianbarrtt

Bild: Lakapati: TransDiwata ng Ginintuang Palay at Masaganang Ani by brianbarrtt

(Trans Frauen auf den Philippinen)
Inhaltswarnung: Kolonialsierung, Transphobie, Mord.

Von Stephenie Vee

Eines jener Länder in Asien mit der höchsten Akzeptanz von queeren Menschen, sind die Philippinen. 73% der Filipinos sind laut einer Umfrage von 2014 der Meinung, dass Schwule und Lesben von der Gesellschaft akzeptiert werden sollten. Malaysia kommt auf gerade mal 9% Akzeptanz und Indonesien auf 3%. Dies ist überraschend, gerade für ein mehrheitlich römisch-katholisches Land wie die Philippinen. 

Es gibt eine lange Geschichte der Akzeptanz von queeren Menschen auf den Philippinen. Vor der Kolonialisierung waren die Philippinen eine polytheistische Nation. Die Gottheiten unterschieden sich zwischen den Stämmen und Regionen, und die hier enthaltenen Mythen wurden von Generation zu Generation durch mündliche Überlieferung weitergegeben.

Transgender Frauen waren ein wichtiger Teil der philippinischen Mythologie. Lakapati (oder Ikapati) ist die Göttin der Fruchtbarkeit und der guten Ernte. Sie wurde auch als androgyne, intersexuelle oder Transgender Göttin beschrieben. Dem Mythos nach war sie eine der freundlichsten Gottheiten, die dem Menschen die Gabe der Landwirtschaft schenkte. Man brachte ihr Opfer dar, bevor man ein neues Feld bepflanzte. Die Zeremonie wurde von einem Franziskanermissionar beschrieben, der sagte, er habe gesehen, wie „ein Bauer dieser Fruchtbarkeitsgöttin huldigte (er) hielt ein Kind hoch und sagte «Lakapati, füttere diesen deinen Sklaven; lass ihn nicht hungern.“ In einigen Versionen des Mythos ist Lakapati die Gefährtin von Bathala, dem Schöpfer der Welt. Bathala kann auch als intersexuell betrachtet werden, da der Name „Mann und Frau in einem“ bedeutet. 

Mythen sind ein Spiegelbild der Menschen, die an sie glauben. Beschreibungen von trans Frauen waren jedoch nicht allein auf die philippinische Mythologie beschränkt. Es gibt spanische Berichte über philippinische trans Frauen, die während der vorkolonialen und frühen Kolonialzeit in der Gesellschaft lebten. Im Volk der Tansug auf den Südphilippinen war das dritte Geschlecht ein fester Bestandteil. Es handelte sich dabei im Wesentlichen um Frauen, die als Männer geboren worden waren. Aus heutiger Sicht würden wir sie als trans Frauen bezeichnen. Die frühen Filipinos kannten sie als „bakla“, «Bayot» oder «Agi» bezeichneten. Ihr Gegenstück, eine weiblich geborene Person mit maskulinem Geschlechtsausdruck, ist als binalaki bekannt.

Trans Frauen lebten in der philippinischen Gesellschaft als Frauen; sie trugen weibliche Kleidung, heirateten Männer und hatten dieselben Pflichten und den sozialen Status wie alle Frauen. Philippinische Frauen hatten einen vergleichsweise hohen Status im Gegensatz zu anderen Kulturen jener Zeit. Sie konnten sich von ihren Ehemännern ohne seine Zustimmung scheiden lassen, ihr eigenes Vermögen und Land besitzen und ihren Kindern Namen geben. Die trans Frauen auf den Philippinen unterschieden sich in zweierlei Hinsicht von natürlich geborenen Frauen: Sie konnten zwar keine Kinder bekommen jedoch galten sie als sehr spirituelle Personen. Als religiöse Führer hatten sie grossen Einfluss innerhalb der Gesellschaft, wie von Neil J. Garcia in „Male Homosexuality in the Philippines: a short history“ beschrieben:

„Für die Spanier waren sie erstaunlich, sogar bedrohlich, da sie respektierte Führer und Autoritätsfiguren waren. Für ihre einheimischen Gemeinschaften waren sie babaylan oder catalonan: religiöse Schamanen, Vermittler zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt, denen sogar der lokale Herrscher (datu) unterstand. Sie besänftigten zornige Geister, sagten die Zukunft voraus, heilten Gebrechen und versöhnten sogar streitende Paare und Stämme.»

Die Akzeptanz von Schwulen und Lesben endete, als die Spanier in den 1500er Jahren den Katholizismus brachten. Nach der Eroberung der Philippinen wurden die Menschen zum römischen Katholizismus konvertiert. Die spanische Kolonisation setzte der traditionellen philippinischen Mythologie ein Ende und damit auch den Rechten der LGBTQI+ Community und insbesondere den Babaylan, den trans Frauen auf den Philippinen. 

Obwohl es stimmt, dass die Philippinen in ganz Asien eines der tolerantesten Länder für trans Personen sind, und auch die Geschichte belegt dies, sind die Philippinen immer noch kein beispielhaft LGBTIQ+ freundliches Land. Die Mehrheit der philippinischen Bürger mag tolerant gegenüber queeren Menschen sein, aber ihre Toleranz geht nicht sehr weit. 

Die philippinische Regierung weigert sich noch immer, Antidiskriminierungsgesetze für die LGBTIQ+ Community zu verabschieden, die es trans Frauen erlauben würden, die Damentoilette zu benutzen. Zudem wurden zwischen 2008 und 2016 41 trans Personen getötet. Im Jahr 2014 wurde eine philippinische Transfrau namens Jennifer Laude von einem Angehörigen des US Militärs brutal ermordet. Als man herausfand, dass sie trans war, wurde dies in der Öffentlichkeit zunächst geleugnet. Katholische und evangelikale Gruppen protestieren immer noch vehement gegen die Rechte von trans Personen.  Stichwort: «Liebe Deinen Nächsten»

Es ist traurig, zu realisieren, dass trans Frauen auf den Philippinen vor tausenden von Jahren viel bessere Rechte hatten als heute. Dennoch gibt es Hoffnung. Die Menschen auf den Philippinen können auf ihre eigene Vergangenheit zurückblicken und sehen, dass Akzeptanz für queere Menschen ein Teil der Wurzeln der Philippinen sind.

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